Presseinformation | 6. Oktober 2026
SCCON 2026 – Fraunhofer IGD: KI-gestützte Stadt- und Regionalplanung
KI und Geodaten machen Flächenpotenziale systematisch sichtbar
Baulücken, Nachverdichtungsflächen und weitere Entwicklungspotenziale sind vielerorts vorhanden, aber häufig nicht systematisch erfasst. Das Fraunhofer IGD verbindet Künstliche Intelligenz mit amtlichen Geodaten, um solche Potenziale automatisiert zu identifizieren und für Stadt-, Regional- und Landesplanung aufzubereiten.
Wohnraumbedarf, begrenzte Flächen und der Anspruch, zusätzliche Flächenversiegelung zu reduzieren, stellen Kommunen und Länder vor große Herausforderungen. Gleichzeitig sind Baulücken, Brachen und andere Entwicklungspotenziale häufig nur mit erheblichem manuellem Aufwand zu identifizieren.
Automatisierte Vorauswahl unterstützt die Planung
Das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD entwickelt skalierbare Lösungen, mit denen sich Flächenpotenziale automatisiert erfassen lassen. Künstliche Intelligenz übernimmt beispielsweise die visuelle Erstidentifikation anhand von Luft- oder Orthophotos. Die Ergebnisse werden mit amtlichen Geodaten verknüpft und GIS-basiert aufbereitet. So entstehen nachvollziehbare und aktualisierbare Datengrundlagen für bestehende GIS- und Planungssysteme.
„Viele Städte verfügen bereits über umfangreiche Geodatenbestände, deren Potenzial bislang nur teilweise genutzt wird“, sagt Dr. Eva Klien, Bereichsleitung Infrastruktur und Public Services am Fraunhofer IGD. „Unsere Lösung zeigt, wie sich diese Daten automatisiert auswerten lassen, um Wohnraumpotenziale im Bestand sichtbar zu machen und Planungsprozesse effizient zu unterstützen.“
Von Baulücken bis zu Aufstockungspotenzialen
KI-Modelle können Luftbilder auswerten und Freiflächen innerhalb von Grundstücken identifizieren. Ergänzend lassen sich 3D-Laserscandaten nutzen, um mögliche Aufstockungspotenziale zu erkennen. Die Ergebnisse können als Kartenlayer, Datensätze oder 3D-Visualisierungen für die fachliche Bewertung bereitgestellt werden.
Für ein landesweites Potenzialflächenkataster in Sachsen-Anhalt entwickelte das Fraunhofer IGD eine skalierbare KI-Pipeline, die digitale Orthophotos analysiert und die Ergebnisse mit ALKIS-, ATKIS- und Raumordnungsdaten verknüpft. Damit entsteht eine einheitliche und reproduzierbare Datengrundlage für die Identifikation von Flächenpotenzialen.
KI unterstützt – die fachliche Entscheidung bleibt beim Menschen
Die automatisierte Analyse ersetzt keine fachliche oder rechtliche Einzelfallprüfung. Bau- und planungsrechtliche Vorgaben, Eigentumsverhältnisse, politische Priorisierungen oder bautechnische Bewertungen bleiben Aufgabe der zuständigen Stellen. Die KI liefert eine qualifizierte Vorauswahl und hilft, relevante Flächen aus großen Datenbeständen herauszufiltern.
Das Fraunhofer IGD ist auf der Smart Country Convention vom 13. bis 15. Oktober 2026 in Berlin mit dem Thema vertreten. Interessierte finden das Institut am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle 27, Stand 404.
Weiterführende Informationen: Wohnraumpotenziale systematisch erfassen und nutzbar machen – Fraunhofer IGD