Pressemitteilung | 1. Oktober 2026
Qualitätsabweichungen erkennen, bevor Ausschuss entsteht
Das Fraunhofer IGD bringt die Qualitätskontrolle direkt in das Folgeverbundwerkzeug: Inform-QC erkennt Oberflächenabweichungen inline, liefert Hinweise auf Werkzeugverschleiß und schafft eine Grundlage für prädiktive Instandhaltung.
Bei schnelllaufenden Stanz- und Umformprozessen ist entscheidend, Qualitätsabweichungen bereits während der Produktion zu erkennen. Das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD setzt mit dem kamerabasierten System Inform-QC direkt im Fertigungsprozess an. Es analysiert die Oberfläche umgeformter Bauteile inline und erkennt Veränderungen, die auf Werkzeugverschleiß hinweisen können.
Qualitätsprüfung direkt im Fertigungstakt
Inform-QC lässt sich beispielsweise in eine freie Station eines Folgeverbundwerkzeugs integrieren. Eine zusätzliche externe Prüfstation ist dann nicht erforderlich. Technische Grundlage ist Photometric Stereo: Das Bauteil wird aus unterschiedlichen Richtungen beleuchtet und aufgenommen. Aus den Bildern berechnet das System eine digitale Darstellung der Oberflächentopografie, die mit einer Referenz verglichen wird.
Die Analyse erfolgt kontinuierlich bei Produktionsgeschwindigkeiten von bis zu 400 Hüben pro Minute, ohne den Fertigungstakt zu verlangsamen. Feine Oberflächenabweichungen lassen sich dabei möglichen Prozessstufen oder Werkzeugkomponenten zuordnen. Der Ansatz kann auch auf weitere Stanz-, Tiefzieh- und Umformprozesse übertragen werden.
„Bei hohen Produktionsgeschwindigkeiten kann eine nachgelagerte Qualitätskontrolle zu spät kommen. Unser Ziel ist deshalb, Veränderungen dort zu erkennen, wo sie entstehen – direkt im Umformprozess. Die Bauteiloberfläche gibt uns dabei nicht nur Auskunft über die Qualität des einzelnen Bauteils, sondern kann auch Hinweise auf den Zustand des Werkzeugs liefern“, sagt Hasan Kutlu, Wissenschaftler am Fraunhofer IGD.
Veränderungen der Oberfläche können beispielsweise auf Abrasion oder Materialanhaftungen am Werkzeug hinweisen. Eine frühzeitige Erkennung ermöglicht es Unternehmen, schneller zu reagieren und Ausschuss zu reduzieren. Gleichzeitig können die erhobenen Daten als Grundlage für eine zustandsorientierte und perspektivisch prädiktive Instandhaltung dienen.
Weiterentwicklung für geschmierte Oberflächen
Die bisherigen Forschungsarbeiten konzentrierten sich auf trockene Metalloberflächen. Da Metallbänder in industriellen Umformprozessen üblicherweise geschmiert werden, untersucht das Fraunhofer IGD in einem neu gestarteten Folgeprojekt die Übertragung des Verfahrens auf geschmierte Oberflächen. Dabei soll geklärt werden, wie sich der Einfluss des Schmierstofffilms bei Digitalisierung und Qualitätsanalyse berücksichtigen oder gezielt nutzen lässt.
Inform-QC auf der EuroBLECH
Das Fraunhofer IGD präsentiert Inform-QC auf der EuroBLECH in Hannover. Ein Demonstrator bildet dort einen kontinuierlichen Fertigungsprozess im kompakten Maßstab nach. Unterschiedliche Umformteile werden nacheinander zur Sensorik geführt und digitalisiert, sodass die Integration der Qualitätsprüfung in einen laufenden Produktionsprozess nachvollzogen werden kann.
Fraunhofer IGD auf der EuroBLECH: 20.–23. Oktober 2026, Gemeinschaftsstand der EFB, Halle C15, Stand 11.
Die vollständige Pressemitteilung enthält weitere Informationen zur Funktionsweise von Inform-QC, zur Inline-Analyse von Bauteiloberflächen, zur Weiterentwicklung für geschmierte Oberflächen und zur Präsentation auf der EuroBLECH.